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TSV Pelkum 04/32 e.V.


„Ich schwöre: Ich war’s nicht“

Veröffentlicht am 11.02.2005 von TSV Pelkum 04/32 e.V.

Ich schwöre: Ich war's nicht!Wer schickte jetzt Erwin Seidel die Einladung zum Sportlerball 1978? • Foto: Wiemer

Wer jubelte der Post die Einladung der Stadt Hamm zum Sportlerball 1978 unter?

HAMM • Das Rätsel um den Brief, der 27 Jahre unterwegs war, bleibt ungelöst. Wie berichtet hatte Erwin Seidel, Vorsitzender des TSV Pelkum, am Montag Post von der Stadt Hamm bekommen. Das Kuvert, das einen Stempel der Post vom 18. Januar 1978 trägt, beinhaltete eine Einladung zum Sportlerball der Stadt am 27. Februar 1978. Weder bei der Post noch bei der Stadt kann man sich den Vorgang erklären, eine neue Spur auf dem Umschlag führt ebenfalls ins Leere.
Unter dem Aufkleber mit Seidels Adresse kommt die Anschrift von Werner Koitka in Ostwennemar zum Vorschein. Offensichtlich war die Einladung ursprünglich für das damalige Vorstandsmitglied des Olympischen Sportclubs Hamm bestimmt. „Ich schwöre jeden Eid, ich habe den Brief nicht eingeworfen“, erklärte Koitka gegenüber dem WA. Er habe 1978 keine Einladung zum Sportlerball erhalten. „Ich war ja kein Vorsitzender. Und außerdem bin ich nie auf so einem Ball gewesen.“
Seitens der Stadt kann man auch nicht zur Aufklärung beitragen. „Wenn der Brief hier gefunden worden wäre, hätten wir ihn bestimmt nicht zur Post gebracht“, teilte ein Sprecher der Stadt mit. „Der ist uns definitiv untergejubelt worden“, legte sich Achim Gahr fest. Der Mann von der Post-Pressestelle wies darauf hin, dass die Adresse Seidels mit Schreibmaschine geschrieben worden ist („Die benutzen wir seit Jahren nicht mehr.“), und ein Hinweis auf die verspätete Auslieferung fehlt: „Finden sich bei uns liegen gebliebene Briefe, weisen wir auf dem Kuvert darauf hin.“
Dem Post-Austräger am Montag sei das historische Dokument als solches nicht aufgefallen. Gahr: „Sonst hätte er Nachgebühr verlangen müssen.“ Der Brief sei vermutlich am vergangenen Wochenende in einen Briefkasten der Post geworfen worden, denn der Umschlag trägt die Codierung vom Briefzentrum in Werl. Das gab es 1978 bekanntlich noch nicht.
Bei Erwin Seidel hat sich der große Unbekannte bislang übrigens nicht gemeldet. „Einige Leute sagen schon, ich hätte den Brief selbst eingeworfen“, berichtete Seidel von Reaktionen auf die Veröffentlichung im WA.

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Hurra, die Post ist da

Veröffentlicht am 10.02.2005 von TSV Pelkum 04/32 e.V.

Hurra, die Post ist daEinladung zum Sportlerball am 17. Februar 1978: Erwin Seidel bekam sie erst am vergangenen Montag. Foto: Wiemer

Brief der Stadt war 27 Jahre unterwegs und kam Rosenmontag an Dr. Dr. Masannek und Co. laden Erwin Seidel zum Sportlerball ein

HAMM • Erwin Seidel hat am Montag eine Einladung im Briefkasten gefunden: Von „Oberbürgermeister Dr. Günter Rinsche, Oberstadtdirektor Dr. Walter Fiehe, Sportausschuss-Vorsitzender Rolf Reinköster und Sport-Dezernent Dr. Dr. Winfried Masannek“. Das Quartett lädt den Pelkumer nebst Begleitung zum Sportlerball in den Ball‘ saal des Kurhauses ein. Termin ist der 17. Februar 1978. Rechtzeitig auf die Reise geschickt wurde die Einladung, der Stempel der Post auf dem Briefumschlag trägt das Datum 18. Januar 1978. Nur mit der Zustellung scheint irgendwas verkehrt gelaufen zu sein. 27 Jahre war der Brief an Seidel unterwegs.
Ehefrau Barbara fiel der Brief als Erste in die Hände. Die Seidels wohnen Am Kirchgraben 20, die Tür verfügt über einen Briefschlitz. Am Rosenmontag kam der Briefträger bereits gegen 12.30 Uhr, früher als üblich. „Hier, Du hast Post bekommen“, sichtete und sortierte wie immer Ehefrau Barbara die Briefe und Zeitschriften und gab das verblichene und zerfledderte Kuvert mit dem Stempel der Stadt an Ehemann Erwin weiter. Das dieser Post von der Stadt bekommt, ist nichts Ungewöhnliches, schließlich ist der heute 67-Jährige seit 40 Jahren im Hammer Sport tätig. Seidel ist seit elf Jahren Vorsitzender des TSV Pelkum und war früher unter anderem Kreissportwart und Mitglied im Sportausschuss.
„Das soll von der Stadt kommen?“ wunderte sich Seidel angesichts des vergilbten Umschlags. Das Schreiben war unverschlossen als Drucksache für 50 Pfennig rausgegangen. Beim Lesen der Einladung musste Seidel dann schmunzeln. „Das Beste ist doch Dr. Dr. Masannek“, rief die Einladung bei Seidel Erinnerungen an den Dezernenten-Skandal um den falschen Doppeldoktor wach. Das historische Dokument, das zur „Tanz und Musikshow mit den Tornados und den Jägermeistern“ einlädt, wird Seidel gut aufheben.
Abgesehen von der Tatsache, dass der Brief so lange unterwegs war, gibt es aber noch mehr Merkwürdigkeiten: So fehlt beispielsweise die „beiliegende Antwortkarte“. Hat sich da jemand vor 27 Jahren auf Kosten Seidels einen schönen Abend gemacht? Zudem steht auf dem Adress-Aufkleber die fünfstellige Postleitzahl. Die gab es 1978 aber noch gar nicht. Und es kommt noch besser „1978 haben wir nicht hier, sondern an der Kamener Straße gewohnt“, sagt Seidel. Der Adressaufkleber muss also später auf den Umschlag gekommen sein. „Vielleicht ist der Brief bei der Stadt oder bei der Post verloren gegangen und wurde erst jetzt wiedergefunden und zugestellt“, spekuliert Seidel.
Bei der Post vermutete man den Grund für die Verspätung eher beim Absender oder bei Nachbarn, die sich einen Scherz erlaubt haben. „Das Briefzentrum in Werl gibt es erst seit sieben Jahren, und das Pakum wurde schon vor längerer Zeit geräumt“, meinte Postsprecher Achim Gahr, dass der Brief nicht die ganze Zeit bei der Post gelegen haben kann. „Der wäre früher aufgetaucht.“
Ob Seidel damals den Sportlerball besucht hat, weiß er nicht mehr. Dafür kann sich der Senior an eine andere Geschichte noch gut erinnern: „Als ich in den 60er Jahren noch in Bielefeld wohnte, bekam ich mal vom Postboten eine Zahlungsaufforderung für die Rundfunkgebühren. Für das Jahr 1861.“

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